Kulturerbe

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Wir erben, bewahren, sammeln… Kultur: Dinge des Alltags, Dokumente, Objekte, Kunstwerke, Traditionen, überliefertes Wissen, Denkmäler, Architektur. Erinnerungsorte im Kleinen und Großen, Ausdrücke menschlicher Kreativität und Geistesgeschichte sowie Sammlungen, die von Museen, Bibliotheken und Archiven bewahrt und verwaltet werden.
Verantwortung: Museumssammlungen sind vielfältig und ihre Aufgaben sowohl eng mit der Verpflichtung zur Bewahrung der ihnen anvertrauten Kulturgüter als auch mit dem Vermittlungsauftrag, den Sammlungsbestand dem öffentlichen Publikum zu zeigen, verbunden. Grundlagen ihres Handelns legte das International Council of Museum fest. Nationale Verbände agieren innerhalb dieses Rahmens. Aber auch neue gesellschaftliche Herausforderungen sollen in die Museumsarbeit integriert werden, wozu u.a. die Themen „Provenienz/ Restitution“, „global art“ und „green museum“ (Nachhaltigkeit) zählen. Während die „Ethischen Richtlinien“ des Internationalen Museumsrates den Rahmen der Museumsarbeit bestimmen, ist für die Umsetzung umfassendes juristisches Basiswissen unabdingbar: Schutz geistigen Eigentums, Urheberrecht, Leistungsschutz, Erwerb von Nutzungsrechten, Kaufvertrag, Leihe, Schenkung, Nießbrauch, Ausschreibungen und Vergabeverfahren, Kulturgutschutzgesetz (KGSG) vom 31. Juli 2016, internationaler Leihverkehr (Ausfuhrbestimmungen, Zollvorschriften und rechtsverbindliche Rückgabezusage) und Versicherungsrecht (Generalpolice für kommerziellen Verleih versus Staats- oder Landeshaftung). Museale Sammlungspflege bedeutet für die Ausstellungshalle sowie das Depot: präventive Konservierung, Klima, Licht, Verpackung, Unterbringung, Schädlingsmonitoring etc.

Europäisches Kulturerbe¹ – European Culture Heritage Year: Im Jahr 2017 haben der Europäische Rat und die Vertreter des Europäischen Parlaments beschlossen, ein Europäisches Jahr des Kulturerbes zu gründen. Hierzu gibt es verschiedene konzeptionelle Ansätze und Ziele. 2018 wurde zum Europäischen Kulturerbejahr erklärt und allerorts wird zu intensivem Austausch eingeladen.

Wir wollen die Gelegenheit nutzen, die Vielfalt in der Vielfalt aufzuzeigen. Allein diese Reichhaltigkeit gilt es zu entdecken. Ferner sei ihre Kontextualisierung ständig neu überprüft: Identitätsstiftende Konstitutionen sollten bezüglich ihrer Kausalitäten und Konsequenzen stets vertieft und re-visitiert werden.

Dabei ist unser Standpunkt, Europa als reflexives Anliegen zu leben: Kulturbetrachtung meint nicht nur, die lineare, chronologische Ansammlung von Zeugnissen und Objekten, sondern viel näher kommen wir dem Leben und Wirken anderer Menschen und ihren Kulturen, wenn wir ihr Leben und ihre sozialen Netzwerke – insbesondere ihren Austausch mit anderen – in Augenschein nehmen. Und daran teilhaben. Zu empfehlen ist hierzu in Bezug auf museale Sammlungsforschung die aktuelle Ausstellung im Hamburger Bahnhof „Hello World-Revision einer Sammlung“.

Am 24. Juni 2018 dürfen wir an der European Culture Heritage Fair teilnehmen: Gendarmenmarkt 11-17Uhr – Stand 22 (Standplan_Aussteller pdf). Sie bildet den Abschluss des European Culture Heritage Summit in Berlin (Presseinformationen des Veranstalters: hier) 18.-24.6.2018.
Ihre Arbeitsbereiche zum Europäischen Kulturerbe stellen an den Nachbarständen u.a. der EFRE, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, das Zentrum Industriekultur, das Museum Europäischer Kulturen, Steine ohne Grenzen, der Verband der Restauratoren, die Bundesstiftung Baukultur,  die Senatsverwaltung für Kultur und Europa, der Freiwilligendienst kulturweit / die Deutsche UNESCO Kommission, der Denk mal an Berlin e.V., die Initiative Kulturerbenetz, der Courage e.V., PULSE of EUROPE uvm. vor — wir freuen uns auf zahlreiche spannende Begegnungen! An unserem Stand beantworten wir gerne Fragen zur Sammlungs- und Provenienzforschung. An einzelnen Beispielen legen wir Probleme dar, was die Erforschung in öffentlichen und privaten Sammlungen angeht und informieren jeden Interessierten zu den verschiedenen Schritten einer Objektuntersuchung. Darüber hinaus ist es uns ein Anliegen, das Engagement privater Sammler vorzustellen – nicht nur in Bezug auf ihre Beauftragungen von Restauratoren oder Provenienzforschern, sondern auch hinsichtlich ihrer Öffentlichkeitsarbeit für bestimmte Kunstwerke und damit die Kunstschaffenden allenthalben.

¹Europäisches Kulturerbe: „Kulturelles Erbe“ wird in Bezug auf Deutschland erstmals in der Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten von 1954 (Haager Konvention) erwähnt. Jedoch finden hierzulande Begriffe wie
„(nationales) Erbe“ nur zögerlich Verwendung ob der negativen Konnotation durch die Herrschaft der Nationalsozialisten und der DDR-Diktatur. Grundsätzlich gibt es ein europäisches Bewusstsein, dass Denkmäler und Traditionen staatlich geschützt zu seien, seit der Kriegszerstörungen der Französischen Revolution. Hiernach wurde im Sinne der entstehenden Nationalstaatlichkeit unmittelbar das Potential von Kulturgütern für die nationale und kollektive Identitätsbildung der Völker erkannt.
Als Kulturerbe wird die Gesamtheit der materiellen und immateriellen Kulturgüter definiert. Es ist als Zeugnis der menschlichen Schaffens- und Schöpfungskraft von historischer, gesellschaftlicher, künstlerischer, wirtschaftlicher oder wissenschaftlicher Bedeutung und wird deshalb geschützt, gepflegt, erhalten und möglichst der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das materielle Erbe umfasst unbewegliche und bewegliche Objekte wie Kulturlandschaften, Architekturdenkmäler und -ensembles, archäologische Stätten, Museums- und Bibliotheksbestände. Sie besitzen über ihre Stofflichkeit hinaus einen ideellen Wert, eine sinnstiftende symbolische Bedeutung. Damit wird deutlich, dass materielle und immaterielle Komponenten des Kulturerbes eng miteinander verwoben sind. Als immaterielles Erbe werden kulturelle und soziale Praktiken, Techniken, Kenntnisse und mündliche Überlieferungen bezeichnet, so bspw. Volkslieder, Märchen, Sagen, Tänze, Feste, Bräuche, Rituale, Spiele, Mundarten, kulinarische Sitten, Handwerkstechniken usw.
Kulturerbe hat einen identitätsstiftenden Charakter und wird auch als „Zement der Identität“ (Maria Gravari-Barbas: Le „sang“ et le „sol“. Le patrimoine, facteur d’appartenance à un territoire urbain. Vortragstext, 1995, S. 1-9, hier S. 7.) beschrieben. Es hilft den Menschen, zeitliche und lokalisierende Bezugspunkte zu finden, denn es wird überliefert aus der Vergangenheit, ist in der Gegenwart relevant und soll für die Zukunft/Nachfolge-Generation bewahrt werden.

Dieses Erbe sollte immer wieder neu interpretiert und angenommen werden, also einem stetigen Wandel unterliegen.

[Bild von mali maeder /pexels]