Werkforschung

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Werkforschung bedeutet das über den Blick- und Gefühlsaustausch zwischen Kunstwerk und Betrachter Hinausgehende, der Dialog zwischen uns Sterblichen und künstlerischen Arbeiten – das, was uns dazu anregt, mehr erfahren zu wollen.

Unterschiedlichste Anliegen von Sammlerinnen und Sammler führen sie zu uns: Einige wollen ihre Privat- oder Firmensammlung erweitern, anderen ist nach Aussortieren – die Sammlung soll künftig eine spezifischere Ausrichtung haben. Wieder andere wollen Werke taxieren lassen oder einfach Inventur machen.
Viele gehen auf Spurensuche: Werkhintergründe oder ganze Werke werden gesucht,  historische Lücken in Leben oder Werk eines Künstlers sollen geschlossen werden oder jemand macht einen Dachbodenfund…

Sammlungsdossier
Das Erstellen eines Werkverzeichnisses steht in jedem Fall ganz oben auf der Prioritätenliste: Kunsthistoriker, Händler und Sammler benötigen Werkverzeichnisse für den genauen Überblick zum Schaffen eines Künstlers, zur Dokumentation grundlegender Informationen eines einzelnen Werkes, zur Echtheitsbestimmung oder der Provenienzrecherche. Hierzu gehören auch Geschäftspapiere und Korrespondenzen mit Ausstellungshäusern, Versicherern, Käufern etc.
Durch wessen Hände ist eine künstlerische Arbeit gegangen, wer hatte Interesse signalisiert, wer hat an- und verkauft und letztlich auch: zu welchen der geforderten Preisen? Tiefer gehende Kenntnisse zum Kunstmarkt und seinen Akteuren ist unabdingbar, wenn solche Recherchen initialisiert werden.

Generell ist zu betonen, dass es sich hierbei um ein Großprojekt handelt. Kunstschaffende, denen von Galeristen und Käufern angeraten wird, ein Werkverzeichnis zu Lebzeiten zu erstellen, wissen, welch Aufwand dies ist. Behandeln wir einen künstlerischen Nachlass oder erforschen eine ganze Sammlung ist diese Arbeit weitaus umfassender. Neben inhaltlichen Fragen zur Gliederung und zum Format der Überblicksdarstellung werden Kenntnisse im Bereich Authentizitätsbestimmung oder der Provenienzrecherche benötigt, ganz abgesehen von den organisatorischen Aspekten der Datensammlung, Bildbeschaffung oder der oft zeitaufwendigen Ermittlung von aktuellen Standorten (Institutionen, Auktionshäuser, Privatsammlungen) und der restauratorischen Inspektion des originalen Werkes. Auch ist Wissen nötig aus angrenzenden Bereichen wie der Rechtssprechung, ethischen Codes bis hin zum Versicherungswesen (vgl. www.kunstgesellschaft.berlin/kulturerbe).

Die Arbeitsfelder eines Sammlungsverwalters in privater Sammlung umfasst a)
wissenschaftliche Tätigkeiten, Beratung, Forschung und b) praktische Tätigkeiten.
Neben Hausforschung und -dokumentation,  Familienforschung, Archivrecherchen, der Erarbeitung von Publikationen und dem Verfassen von Texten (z.B. Ausstellungstexte, Texte für digitale Medien und Printmedien) gehören ebenso Kunst-Taxierung, die Betreuung und Durchführung von Forschungsprojekten (z.B. Machbarkeitsstudien), Konzeption und Management von Ausstellungen oder anderen Formaten, Organisation/Moderation von Podiumsdiskussionen oder Tagungen und Beratertätigkeiten, z.B. Museums-, Medien-, Kultureventberatung, zum Bereich a). Relevant ist auch die Kommunikation des Experten mit Museen: nicht nur im Bereich Leihverkehr oder angestrebter Exposition eines oder mehrerer Werke, sondern auch um herauszufinden, ob es von einem Künstler meiner Sammlung bereits Arbeiten in musealen Einrichtungen gibt.
Zu den praktischen Tätigkeiten (b) werden Text- und Bildrecherchen, Literaturrecherchen, Lektorat, die PR- und Öffentlichkeitsarbeit für Kulturprojekte, die Inventarisierung von Kulturgütern, die Erstellung eines Werkverzeichnisses und mithin die Archiv- und Depotbetreuung gezählt. [Eine Honorar-Einordnung finden Sie beim BfK.] Darüber hinaus sollte der Sammlungsforscher gut vernetzt sein mit anderen Provenienzforschern und Restauratoren – viele wissen mehr und können sich gegenseitig unterstützen. Restauratoren werden dann bspw. für die Analyse von zweifelhaften Bildern und der Überführung von Fälschungen gebraucht. So kann eine Untersuchung mit UV-Licht Aufschluss über bestimmte Farben, Materialien, Übermalungen, Retuschen und Ergänzungen geben. Prominentes Beispiel ist die Verwendung von Titanweiß, welches erst seit dem 20. Jahrhundert hergestellt wird. Durch eine UV-Analyse wurde es jedoch schon in Gemälden identifiziert, die weit früher datiert waren.

Abgesehen von den bekannten kulturwissenschaftlichen Archivtheorien werden z.Z. neuere Konzepte digital vernetzter Archive oder Museen diskutiert. Generell beinhaltet die detektivische Archivarbeit des Provenienzforschers:
1. Schritt: Sichtung der Objektmappe (Archivalien) mit allen Ankauf-, Leih-, Versicherungs- oder Ausstellungs-Belegen, Korrespondenzen, Zeitungsartikeln, Auszüge aus Auktionskatalogen, Restaurierungs-Rechnungen uvm. Wenn noch nicht geschehen: Inventarisierung aller Werke und Dokumente.
2. Recherchen in digitalen Archiven und Online-Katalogen (Auktionen, Ausstellungen), aber auch bei Zeitgenossen des jeweiligen Urhebers/Künstlers.
3. Die Arbeit am Objekt selbst: Spurensuche verso, auf den Rückseiten von Gemälden finden sich oft aufschlussreiche Etiketten, Notizen, Archiv-, Ausstellungs- oder Versteigerungsnummern.

Als gemeinsame Schnittstelle von Sammlern, Künstlern, Galeristen und Corporate Collections können wir die Verwaltung von Kunstwerken festmachen. Das Thema Beyond Collecting – Was mache ich später einmal mit meiner Sammlung? finden Sie nicht beim Gallery oder Artist Talk, wohl aber beim Sammlergespräch. Oftmals wollen Sammler mit ihrer Kollektion auch gar nicht an die Öffentlichkeit. Anderen wiederum ist klar: Nur durch die Gründung eines Privatmuseums oder einer Stiftung kann ich meine Sammlung gut bewahren, präsentieren und vermitteln.
Und gehen wir davon aus, dass vom Konvolut eines künstlerischen Nachlasses nur rund 15% in die kunstgeschichtliche Aufmerksamkeit gerückt werden sollen (und dem Markt zur Verfügung gestellt), wird einem die Schwierigkeit offenbar, mit der Nachlassverwalter zu entscheiden haben, was konkret vernichtet werden soll. Hierzu empfiehlt sich schon zu Lebzeiten eines Künstlers, über Vorlassregelungen nachzudenken und werkimmanente Entscheidungen zu treffen, um es den Erben -in der ohnehin nachfolgend schwierigen Zeit- etwas leichter zu machen.

Fragen? Kontakt/Gesprächsvereinbarung

Noch ein Wort zum Folgerecht: Wir sind grundsätzlich große Befürworter der Durchsetzung -und Kontrolle- des Folgerechts gemäß § 26 Urhebergesetz
https://dejure.org/gesetze/UrhG/26.html – der europaweiten Regelung, die eine Beteiligung des noch lebenden Künstlers oder seiner Erben bei einem Verkauf eines betreffenden Kunstwerks vorsieht, bis zum Ablauf der Schutzrechte aus dem Urheberrechtsgesetz.